20.09.2017

Meine MitarbeiterInnen verstehen mich einfach nicht!

... da wäre doch eine kleine Gebrauchsanweisung von Vorteil – oder?

Führungskräfte machen sich in Einzelgesprächen hin und wieder auch Luft über KollegInnen oder MitarbeiterInnen, die ein vermeintlich ständiges Ärgernis darstellen. Irgendwann geht man sich dann aus dem Weg, hört nicht mehr hin oder versucht im Worst-Case-Szenario sogar das Ärgernis elegant los zu werden.

In solchen Situationen stelle ich meist eine Frage:

„Was ist Ihnen denn so wirklich wichtig im Leben?“

Bedingt durch die Verwunderung dieser Frage, kommen schon mal Antworten wie „meine Familie“ oder „mein Auto“. Soweit so gut, aber was steckt da dahinter und bitte was hat das mit Führung und dem Ärgernis zu tun? Beim weiteren Nachfragen sind wir genau dort, wo es interessant wird, denn Sie führen bewusst oder unbewusst mit Ihren höchsten Werten, die vermutlich keiner kennt. Bei der Familie ist es vielleicht Ruhe, Stabilität oder Loyalität, beim Auto vielleicht Sicherheit, Bewegung oder Freiheit. Betrachten wir mal die Automarken: Eine Führungskraft hat vorausschauend, wissend um die kommenden Umbrüche im Gesundheitswesen, nach und nach kleine Strukturveränderungen vorgenommen, um schon mal vorsichtshalber eine stabile und gesunde Basis zu schaffen. Sie werden es nicht glauben – ein VOLVO-Fahrer.

Diese höchsten Werte bilden einen unsichtbaren Führungsrahmen und wird dieser von KollegInnen oder MitarbeiterInnen permanent verletzt, steigt man innerlich auf die Barrikaden. Wir verteidigen das, was uns wirklich wichtig ist!

Ein Beispiel: Eine Führungskraft hat als höchsten Wert „Freiheit“, jedoch der Vorgänger in dieser Position „Sicherheit“. Die Mitarbeiter waren es über viele Jahre gewöhnt, kleinteilige Anweisungen zu erhalten, damit auch sicher alle Ziele erreicht werden. Es gab Controlling im Sinne von Kontrolle, ob auch keiner den vorgegebenen Pfad verlässt. Ein „rechts rum“ anstelle eines „links rum“ wurde nicht akzeptiert. Der Nachfolger jedoch gibt den MitarbeiterInnen nun alle Freiheit zum Ziel zu kommen, es gibt keine Anweisungen für die möglichen Schritte dazwischen. Eigenverantwortung ist angesagt, nur das große Ziel solle man nicht aus den Augen verlieren.

Resultat: Beidseitiges Unverständnis, Verunsicherung und jede Menge Ärger. Diese atmosphärische Störung im Betrieb war nicht wirklich greifbar und beide Seiten haben sich redlich bemüht, diese auf der Sachebene auszutragen. Schlussendlich Einschreiten des Betriebsrates.

Manchmal ist es von Vorteil, den eigenen Führungsrahmen zu entdecken, und eine kleine „Gebrauchsanweisung“ aus der Hand zu geben:

„Mir als Führungskraft ist Sicherheit, Loyalität und Eigenverantwortung ganz besonders wichtig. Dies bedeutet ...“ – und hier ist eine kurze Erläuterung erforderlich, denn z.B. Sicherheit bedeutet für jeden von uns etwas ganz Anderes, vor allem im beruflichen Kontext.

Diese „Gebrauchsanweisung“ macht sie nicht nur greifbar und gibt Ihren MitarbeiterInnen Orientierung, sondern sie erleichtert Führung. Wird ihr Führungsrahmen „angeschrammt“, dann sollte es zu einem Gespräch kommen. „Sie wissen, mir ist XX ganz besonders wichtig, Sie haben ...“

Solche Gespräche bringen Klarheit und sparen viel Ärger.

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Andrea Langhold Signet