10.08.2017

Wir ziehen nicht an einem Strang – oder, wer gewinnt das Tauziehen?

Ich selber komme aus einem „gemergten“ Unternehmen von zuerst zwei Unternehmen, dann drei Unternehmen, die nicht unterschiedlicher in ihrer Kultur hätten sein können.

Führungskräfte des mittleren Managements und MitarbeiterInnen wurden routinemäßig via Email über den bevorstehenden Zusammenschluss der Unternehmen informiert. „Man gehöre ab dem ersten des nächsten Monats zusammen“. Argwohn, die beiden Unternehmen waren bis vor Kurzem Konkurrenten. Wer ist wohl der Andere, was führen DIE im Schilde?

Na und dann war es soweit, in jedem Büro saßen zusätzlich ein paar „Aliens“ und auf Rückfragen, wie solle denn das nun klappen, kam von der Führung ein kurzes: “Das wird schon irgendwie gehen“.

Jahre später, der Merger lag in ruhender Vergangenheit, bekam ich ein Gespräch mit, an das ich mich noch heute gut erinnern kann. Es war eines unter zwei Konzernmitarbeitern: „Ah, das ist ja auch ein Ex-Mitarbeiter der Firma XX und die andere eine Ex-Mitarbeiterin der Firma YY!“. Spannend, es gab also nur noch Ex-Mitarbeiter!?

Rein betriebswirtschaftlich waren die Merger gut kalkuliert, doch der korrosive Prozess, der durch den Verlust der Identität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstanden war sowie die Vernichtung von Ressourcen, fand in den Berechnungen sichtlich keinen Niederschlag. Es wurde nicht erkannt, dass der Aufwand, in „softe“ Faktoren zu investieren, ein wesentlicher Bestandteil am Gelingen einer Fusion ist. Wenn Sie mich fragen: Da gibt es kein „besser oder schlechter“, sondern nur ein „besser ganz anders“.

Die Analyse des „ganz anders“ und die daraus resultierenden Synergien sind wesentliche Bestandteil, die es zu berücksichtigen gilt.

  • Wie können sich MitarbeiterInnen in dem neuen Konstrukt zurechtfinden?
  • Was können sie voneinander lernen?
  • Was ist/war gut, was unterlassen wir künftig besser?
  • Wie kann eine neue gemeinsame Identität entstehen?

Und vieles, vieles mehr!

Bei dem Wort Unternehmenskultur rollen viele Führungskräfte schon mit den Augen. Zu Unrecht! Deshalb hier mein Appell:

Liebe Führungskräfte, machen Sie Ihren Job und geben Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit und Raum, um neue Geschichten zu schreiben, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und um eine gemeinsame Kultur zu erarbeiten. Eine Balance zwischen harten und weichen Faktoren hebt die Synergien und trägt zum Gelingen einer Fusion bei. Ja, Knochenarbeit – aber, es lohnt sich! Denn wer will schon in einem „Ex-Unternehmen mit Ex-KollegInnen“ arbeiten?

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Andrea Langhold Signet